Sozialversicherung

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Das deutsche System der Sozialversicherung umfasst alle gesetzlichen Bestimmungen zur Kranken-, Renten-, Arbeitslosen-, Unfall- und Pflegeversicherung.

Das deutsche Sozialrecht gilt gemäß § 30 Abs. 1 Sozialgesetzbuch I (SGB I) für alle Personen, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben.


Bei einem Stipendium ohne Abschluss eines Arbeitsvertrages ist man in der Regel von der gesetzlichen Sozialversicherungspflicht befreit. Aus den spezifischen Regelungen des deutschen Aufenthaltsrechts ergibt sich jedoch die Verpflichtung für Ausländer, für die erfolgreiche Beantragung eines Aufenthaltstitels den Nachweis des Abschlusses einer in Deutschland anerkannten Krankenversicherung vorzulegen. In aller Regel sind Sie deshalb vor Ihrer Einreise nach Deutschland zu dem Abschluss einer privaten Krankenversicherung verpflichtet, sofern nicht ausnahmsweise der freiwillige Beitritt zur gesetzlichen Krankenversicherung gemäß V möglich ist.

 

Eine Krankenversicherung dient der Absicherung, so dass die Kosten für medizinische Behandlung und Arzneimittel bei einem Unfall oder einer Erkrankung nicht privat gezahlt werden müssen. Sie ist in Deutschland vorgeschrieben.

Weil Deutschland mit den Mitgliedsländern der Europäischen Union, des EWR und weiteren Staaten Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen hat, ist es unter Umständen auch möglich, dass die Krankenversicherung eines Stipendiaten in Deutschland anerkannt wird. Die Anerkennung erfolgt durch die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland.

Die Krankenversicherung des Heimatlandes kann über die Vorgehensweise Auskunft erteilen. Meistens ist eine Europäische Krankenversicherungskarte notwendig.

Auch private Krankenkassen anderer Ländern können unter Umständen anerkannt werden.

Für die Einschreibung an einer Hochschule brauchen sowohl gesetzlich als auch privat Versicherte eine Bestätigung, die als Nachweis darüber Auskunft gibt, dass der Betroffene von der Versicherungspflicht in der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung befreit ist. Diese Bescheinigung erhält man bei den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland.

Weitergehende Informationen entnehmen Sie bitte der gesonderten Rubrik Krankenversicherung.


Falls Sie Ihren Forschungsaufenthalt in Deutschland im Rahmen eines Arbeitsvertrages verbringen, werden Sie gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 1 SGB IV als versicherungspflichtiger Beschäftigter grundsätzlich in alle Zweige der gesetzlichen Sozialversicherung miteinbezogen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer tragen jeweils ungefähr die Hälfte der Beiträge, die insgesamt ca. 40 % des Bruttogehaltes ausmachen. Vom Arbeitnehmer allein sind 0,9 % des Bruttogehalts als zusätzlicher Krankenversicherungsbeitrag (im Rahmen des allgemeinen Beitragssatzes, der einheitlich auf 14,6 % festgelegt ist) zu zahlen. Kinderlose Arbeitnehmer zahlen darüber hinaus einen Beitragszuschlag von 0,25 % des Bruttogehalts zur Pflegeversicherung über den allgemeinen Satz von 2,55 % (Stand Januar 2018) hinaus. Die Beiträge zur Unfallversicherung werden allein vom Arbeitgeber getragen.

Sobald Sie Ihre Arbeitsstelle angetreten haben, übernimmt normalerweise Ihr Gastinstitut die für die Anmeldung zur Versicherung erforderlichen Schritte. Man meldet Sie bei der von Ihnen ausgewählten Krankenkasse an, die dann die weiteren Sozialversicherungsträger unterrichtet. Nach Erledigung des Anmeldeverfahrens erhalten Sie vom Träger der Rentenversicherung Ihre Versicherungsnummer und ein Versicherungsnachweisheft, das Sie dem Gastinstitut aushändigen müssen. Für das Entrichten der Beiträge ist der Arbeitgeber verantwortlich, er behält den Beitrag bei jeder Gehaltszahlung ein.

Für Bürger aus EU-Mitgliedstaaten, den EWR-Staaten und der Schweiz gilt die EG-VO 883/04 sowie die diese ergänzende Verordnung regelt die (EG) 987/2009. Für Drittstaatenangehörige wird der Geltungsbereich durch die weitere Verordnung (EG)1231/2010. Danach gelten die Verordnung (EG) Nr. 883/2004 und die Verordnung (EG) Nr. 987/2009 für Drittstaatsangehörige, die ausschließlich aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit nicht bereits unter die genannten Verordnungen fallen, sowie für ihre Familienangehörigen und ihre Hinterbliebenen, wenn sie ihren rechtmäßigen Wohnsitz im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats haben und sich in einer Lage befinden, die nicht ausschließlich einen einzigen Mitgliedstaat betrifft. Diese Verordnungen regeln unter anderem die Ansprüche und Übertragbarkeit von sozialen Leistungen innerhalb der Europäischen Union. Vor allem regelt die Grundverordnung 883/2004, welchem Staat das Recht zur Beitragserhebung zusteht.

Hierzu gibt es in Art. 11 zwei Grundregeln:
  1. Grundsätzlich ist man in dem Land versichert, in dem man die Erwerbstätigkeit ausübt.

    Dieser Grundsatz wird modifiziert, wenn man unter bestimmten Voraussetzungen bis zur Dauer von maximal 2 Jahren im Rahmen eines fortbestehenden Beschäftigungsverhältnisses von einem in einen anderen EWR-Staat entsandt wird, Art. 12.
  2. Man ist grundsätzlich immer nur den Rechtsvorschriften eines einzigen Mitgliedstaates unterworfen.

 

Die Zweige der Sozialversicherung im Einzelnen:

 

 

Weiterführende Informationen