Krankenversicherung

Living in Europe, Working in Europe | Entry conditions/visas, Health insurance, Medical care | Germany

Die Krankenversicherung ist Teil der Sozialversicherung. Sie ist geregelt im fünften Buch des Sozialgesetzbuches (SGB V). Nach § 1 SGB V hat sie "die Aufgabe, die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern".

Eine Krankenversicherung ist in Deutschland verpflichtend für alle Arbeitnehmer, deren Jahresarbeitsentgelt unterhalb der Versicherungspflichtgrenze (2018: 59.400 EUR; 2017: 57.600 Euro) liegt und darüber hinaus für viele weitere Personengruppen, die § 5 SGB V auflistet. Auch Forschende und begleitende Familienmitglieder unterliegen der Versicherungspflicht.

Es gibt sowohl private als auch gesetzliche Krankenversicherungen in Deutschland. Bei den gesetzlichen Krankenversicherungen gibt es seit dem 01.01.2009 einen einheitlichen Beitragssatz für alle Versicherungen, wobei unter Umständen Zusatzbeiträge erhoben werden dürfen. Die Auswahl an gesetzlichen Krankenkassen und privaten Versicherungsgesellschaften ist recht groß. Um Ihnen einen besseren Überblick zu geben, haben wir unter "weiterführende Informationen" Listen von Krankenversicherungsunternehmen aufgeführt.


Allgemein gilt für Auslandsaufenthalte von Bürgern der Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz folgendes:

Sind sie in ihrem Heimatstaat freiwillig versichert oder pflichtversichert, können sie im EU-Ausland sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen und sich die Kosten von ihrer Krankenkasse erstatten lassen. Im ambulanten Bereich haben Krankenversicherte somit die Wahlfreiheit, ob sie in Deutschland oder in einem anderen Mitgliedstaat Leistungen beziehen. Nimmt ein Versicherter einen Arzt oder einen anderen Leistungsbringer innerhalb der Europäischen Union in Anspruch, zahlt er zunächst vor Ort die Behandlungskosten und reicht dann die Rechnungsbelege bei seiner Krankenkasse im Heimatland ein. Die Kosten werden dann in der Höhe übernommen, wie sie bei einer inländischen Behandlung entstanden wären; eventuelle Mehrkosten muss der Patient in der Regel selber tragen.

Bei Inanspruchnahme von Krankenhausleistungen in dem anderen Staat ist eine vorherige Genehmigung der Krankenkasse erforderlich. Diese darf nur versagt werden, wenn die gleiche oder eine für den Versicherten ebenso wirksame, dem allgemeinen Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechenden Behandlung rechtzeitig in einem Krankenhaus im Inland durchgeführt werden kann.

Ein erweiterter Krankenversicherungsschutz besteht dann, wenn ein gesetzlich Krankenversicherter und seine Familienangehörigen sich vorübergehend - im Urlaub oder auf Geschäftsreise - in dem anderen Land aufhalten. Sie haben im Krankheitsfall einen Anspruch auf alle medizinisch notwendigen Leistungen, einschließlich einer Krankenhausbehandlung.

Soweit ein Arbeitsvertrag für eine Tätigkeit in Deutschland abgeschlossen und hier tatsächlich gearbeitet wird, besteht jedoch eine inländische Krankenversicherungspflicht.

Die Europäische Krankenversicherungskarte

Zur Erleichterung der Behandlung bei einem vorübergehenden Auslandsaufenthalt ist jede Krankenkasse verpflichtet, ihren Mitgliedern eine europäische Krankenversicherungskarte auszustellen. Bei Krankheit in einem anderen EU-Land sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz werden die medizinischen Leistungen nach den Rechtsvorschriften des Aufenthaltsstaates erbracht und nach den dort geltenden Gebührensätzen erstattet: Auf Sachleistungen, die im Gastland kostenlos erbracht werden, hat der Kranke bei Vorlage seiner Karte ebenfalls Anspruch wie auf kostenlose ärztliche Versorgung. Kosten für Leistungen, die im Gastland in der Regel bezahlt werden müssen, übernimmt nach Vorlage der Versicherungskarte die Krankenkasse.

Die Europäische Krankenversicherungskarte gilt aber nur eingeschränkt. Sie gilt

  • nur für vorübergehende Aufenthalte im Ausland,
  • nur für notwendige medizinische Leistungen,
  • nicht für gezielte Reisen zur Behandlung ins Ausland und
  • nicht für Kosten eines Krankenrücktransports in die Heimat.

Längerfristiger Aufenthalt

Längerfristig ist ein Auslandsaufenthalt, der über eine Urlaubsreise, Geschäftsreise oder Tagungsteilnahme hinausgeht, zum Beispiel eine Gastprofessur oder ein Forschungsaufenthalt für die Dauer eines Semesters oder Jahres. Für längerfristige Auslandsaufenthalte innerhalb der Europäischen Union sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz gilt statt der Europäischen Krankenversicherungskarte folgendes:

Ist man im Heimatland gesetzlich krankenversichert, stellt die heimische Krankenkasse auf Antrag den Vordruck S1 (früher: E 106) aus. Mit dem Vordruck S1 kann man sich und seine Familienangehörigen bei einer deutschen Krankenkasse anmelden. Über die deutsche Krankenkasse erhält man dann alle Leistungen, wie sie einem deutschen Krankenkassenmitglied zustehen. Die deutsche Krankenkasse stellt ihre Kosten anschließend der heimischen Krankenkasse in Rechnung.

Ist man in Deutschland gesetzlich krankenversichert und sind Familienangehörige daheim geblieben, stellt die deutsche Krankenkasse auf Antrag den Vordruck S1 (früher: E 109) aus. Mit Hilfe des Vordrucks S1 können die daheim gebliebenen Familienangehörigen die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung beitragsfrei in Anspruch nehmen. Die heimische Krankenkasse stellt ihre Kosten anschließend der deutschen Krankenkasse in Rechnung.

 

Weiterführende Informationen

  • Nützliche Formulare im Zusammenhang mit Sozialversicherungsansprüchen

    Diese Formulare sind nützlich für die Geltendmachung Ihrer Ansprüche auf Leistungen als Staatsangehöriger eines EU-Mitgliedsstaats, der in einem anderen Mitgliedstaat lebt und/oder arbeitet oder dies früher getan hat. Die Formulare auf dieser Seite sind unabhängig von Ihrer Staatsangehörigkeit gültig, wenn Sie offiziell in einem EU-Land leben.

    Europäische Kommission


Für einen Forschungsaufenthalt in Deutschland muss die medizinische Behandlung bei akuter Krankheit und bei Unfällen in Deutschland abgedeckt sein. In Bezug auf Vorerkrankungen sollte man sich bereits im Heimatland mit allen notwendigen Medikamenten eindecken, da Vorerkrankungen in Deutschland in der Regel nicht von einer privaten Krankenversicherung abgedeckt werden und der Patient die Kosten selbst tragen muss. Gesetzliche Krankenversicherungen müssen demgegenüber ihre Versicherten mit allen Vorerkrankungen übernehmen und auch für Vorerkrankungen ab dem ersten Tag die Kosten voll tragen. Es empfiehlt sich gleichwohl, schon vor der Einreise nach Deutschland mit der Krankenversicherung Kontakt aufzunehmen, so dass alle Fragen rechtzeitig geklärt werden können und vom ersten Tag an Versicherungsschutz besteht. Die zuständige Ausländerbehörde verlangt für die Aufenthaltsgenehmigung den Nachweis einer solchen Krankenversicherung.

Prüfen Sie zunächst, ob Ihre Versicherung im Heimatland auch anfallende Arzt- und Krankenhauskosten während Ihres Aufenthaltes in Deutschland deckt. Die Versicherungsgesellschaft muss dann schriftlich bestätigen, dass Versicherungsschutz auch in Deutschland besteht. Falls der Versicherungsschutz nicht ausreichend ist, müssen Sie eine zusätzliche Versicherung abschließen.

Eine Reisekrankenversicherung ist nicht geeignet. Sie deckt nur die spezifischen Gesundheitsrisiken während der Reise ab, stellt aber keinen ausreichenden Versicherungsschutz für Ihre Tätigkeit in Deutschland dar.

Dauert der Aufenthalt in Deutschland länger als 6 Wochen, so dass Sie dann regelmäßig einen Wohnsitz in Deutschland nehmen, ist folgendes zu beachten: Seit dem 01.01.2009 ist jede Person mit Wohnsitz in Deutschland verpflichtet, eine Krankenversicherung bei einem in Deutschland zugelassenen Versicherungsunternehmen abzuschließen, soweit sie nicht gesetzlich krankenversichert oder nach Beamtenrecht beihilfeberechtigt ist. In diesem Fall empfehlen wir den Abschluss einer deutschen Krankenversicherung. Die im Ausland bestehende Krankenversicherung kann für die Zeit des Deutschlandaufenthalts auf Anwartschaftstarif umgestellt werden.


 

Ein Stipendium zur Finanzierung des Forschungsaufenthalts ermöglicht für Sie regelmäßig keinen Zugang zu der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland. Etwas anderes gilt dann, wenn Sie für die Dauer des Aufenthalts zugleich im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses bei einer Forschungseinrichtung oder Universität beschäftigt werden (hierzu entnehmen Sie bitte die relevanten Informationen aus dem Abschnitt "Aufenthalt mit Arbeitsvertrag"). In seltenen Ausnahmefällen kann für Sie die Möglichkeit einer freiwilligen Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung gemäß § 9 SGB V bestehen. Bitte informieren Sie sich in Zweifelsfällen zu dieser Möglichkeit vor dem Antritt Ihres Forschungsaufenthalts bei Ihrem jeweiligen Stipendiengeber oder unmittelbar bei den Trägern der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland.

In allen anderen Fällen empfehlen wir Ihnen den rechtzeitigen Abschluss einer privaten Krankenversicherung für die Aufenthaltsdauer in Deutschland. Ihr Stipendiengeber kann Ihnen entsprechende Empfehlungen geben.


 

Wenn Sie im Rahmen eines inländischen, also deutschen Arbeitsvertrages angestellt sind, unterliegen Sie als Beschäftigter grundsätzlich der deutschen Krankenversicherungspflicht.

Ausnahmsweise können jedoch aufgrund eines mit Deutschland abgeschlossenen Sozialversicherungsabkommens die Krankenversicherungsbestimmungen Ihres Heimatstaates weitergelten. Dies bestätigt Ihnen dann die heimische Krankenversicherung oder Sozialversicherungsbehörde auf einem Vordruck, der die Nummer 1 oder 101 trägt. Aufgrund des Vordrucks mit der Nummer 1 oder 101 unterliegen Sie weiter der heimischen Krankenversicherung und sind von der deutschen Krankenversicherungspflicht befreit, wenn sich das mit Ihrem Heimatstaat bestehende Sozialversicherungsabkommen auch auf die Krankenversicherung erstreckt.

Besitzen Sie keinen Vordruck mit der Nummer 1 oder 101, sind Sie als Beschäftigter in Deutschland krankenversicherungspflichtig. Dann hängt es vom Einkommen ab, ob Sie sich privat oder gesetzlich krankenversichern können.

Bis zu einem Bruttojahreseinkommen von 59.400 Euro (Stand 2018) muss man sich in einer gesetzlichen Krankenkasse versichern. Der allgemeine Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung beträgt 14,6 % des Bruttojahreseinkommens. Dabei übernehmen sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer einen jeweiligen Anteil von 7,3 %.

Seit 1. Januar 2015 können gesetzliche Krankenkassen zusätzlich zum einheitlichen Beitragssatz von 14,6 % einen Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern erheben. Mitversicherte Kinder oder Partner (Familienversicherte) zahlen keinen Zusatzbeitrag.

Über die Höhe des Zusatzbeitrags entscheiden die einzelnen Krankenkassen. Erhebt eine Kasse einen solchen Zusatzbeitrag erstmalig oder erhöht ihn, gilt ein Sonderkündigungsrecht für die Versicherten.

Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung sind weitgehend festgelegt. Unterschiede gibt es beim Kundenservice, Zusatzleistungen und Wahltarifen. Die Wahl der gesetzlichen Krankenversicherung ist frei. Es lohnt sich daher weiterhin, die Krankenkassenleistungen miteinander zu vergleichen.

Bei einem Bruttojahreseinkommen von mehr als 59.400 Euro (Stand 2018) hat man in Deutschland die freie Wahl zwischen einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung.

Die gewählte Krankenkasse teilt man seinem Arbeitgeber mit. Es ist Aufgabe des Arbeitgebers, seine neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Krankenkasse anzumelden. Die Krankenkasse leitet die Meldung an die anderen Sozialversicherungsträger weiter. Die Beiträge für die Krankenversicherung werden unmittelbar vom Bruttogehalt des Arbeitnehmers abgezogen.

 

Weiterführende Informationen