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Steuern


Sie planen einen Forschungsaufenthalt in Deutschland und möchten sich über Steuern informieren?  

Natürliche Personen, die im Inland einen Wohnsitz (§ 8 Abgabenordnung, AO) oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt (§ 9 AO) haben, sind nach § 1 Abs. 1 Satz 1 Einkommensteuergesetz (EStG) mit allen im In- und Ausland erzielten Einkünften in Deutschland unbeschränkt einkommensteuerpflichtig (Welteinkommensprinzip).

In Deutschland tätige ausländische Mitarbeiter können – auch ohne dass ein Wohnsitz oder regelmäßiger Aufenthalt im Inland vorausgesetzt wird – nach §§ 1 Abs. 4, 49 Abs. 1 Nr. 4 a) EStG einer beschränkten Einkommensteuerpflicht unterliegen.
Um die Überschneidung der Steueransprüche verschiedener Staaten gegenüber einem Steuerpflichtigen zu vermeiden, bestehen einerseits unilaterale Steuerentlastungsregeln (§§ 34c, 34d EStG). Sie leiten sich aus dem Prinzip der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit ab, wonach es unter dem Aspekt der Belastungsgleichheit keinen Unterschied machen darf, ob Einkünfte allein im Inland erzielt und versteuert werden müssen, oder ein Auslandsbezug besteht. Andererseits hat Deutschland mit den meisten Staaten (bilaterale) Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) geschlossen, die regeln, welcher Staat auf die Besteuerung verzichtet, die ihm nach nationalem Recht zusteht. Die DBA begründen keine Steuerpflicht, sie Weisen das Recht zur Besteuerung lediglich zu bzw. schränken es ein.

Aufenthalt mit Stipendium:
Falls Sie Ihren Forschungsaufenthalt in Deutschland im Rahmen eines Stipendiums verbringen, sind Sie unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen des deutschen Einkommenssteuergesetzes von der Steuer befreit. Hier empfiehlt sich Rücksprache mit Ihrem jeweiligen Stipendiengeber. Außerdem sollten Sie sich erkundigen, ob ihr in Deutschland gezahltes Stipendium in ihrem Heimatland versteuert werden muss.

Details zur Steuerfreiheit von Stipendien in Deutschland


Aufenthalt mit Arbeitsvertrag:
Falls Sie Ihren Forschungsaufenthalt im Rahmen eines Arbeitsvertrages in Deutschland verbringen sind drei steuerliche Konstellationen denkbar:
Haben Sie in Deutschland keinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt, sind Sie in Deutschland gemäß § 1 Abs. 4 EStG beschränkt einkommensteuerpflichtig, wenn sie im Inland Einkünfte aus dauerhafter oder vorübergehender nichtselbstständiger Arbeit im Sinne von § 49 EStG erzielen. In Ihrer Person begründete Abzugsmöglichkeiten bestehen meist nicht, die Beschränkung des deutschen Besteuerungsrechts durch ein mit ihrem Heimatland abgeschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen ist aber möglich.

Personen ohne Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland mit dauerhafter nichtselbstständiger Tätigkeit im Inland können auch die Option des § 1 Abs. 3 EStG wählen und auf Antrag mit ihren inländischen Einkünften im Sinne von § 49 EStG als (fiktiv) unbeschränkt im Inland einkommensteuerpflichtig gelten – bei gleichzeitiger unbeschränkter Einkommensteuerpflicht im Ausland. Dies eröffnet Nutzung von Steuervergünstigungen und Freibeträgen und kann deshalb günstiger sein, weil die Besteuerung mehr dem Prinzip der subjektiven Leistungsfähigkeit entspricht.

Voraussetzung des Antrages ist, dass entweder 90% aller Einkünfte der deutschen Einkommensbesteuerung unterliegen oder die Einkünfte, die der ausländischen Besteuerung unterliegen nicht höher sind als der Grundfreibetrag, derzeit 8.130 Euro (§ 32a Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 EStG) und die Höhe der im Ausland besteuerten Einkünfte durch Bescheinigung der ausländischen Steuerbehörde nachgewiesen wird.

Wählen Sie bei nichtselbstständiger Tätigkeit Ihren Wohnsitz oder den gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland, während Ihre Angehörigen im Heimatland verbleiben, sind Sie sowohl im Ausland als auch im Inland ganzjährig unbeschränkt einkommensteuerpflichtig. Ein Ausgleich der bestehenden staatlichen Besteuerungsrechte findet durch das jeweilige Doppelbesteuerungsabkommen statt. Im Fall einer inländischen Beschäftigung auf Basis eines inländischen Arbeitsvertrages wird es regelmäßig zu einem Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Sinne der steuerrechtlichen Vorschriften (§§ 8, 9 Abgabenordnung) kommen. Ein Arbeitnehmer kann auch mehrere Wohnsitze haben.

Die für Sie anfallenden Steuern werden unmittelbar von Ihrem Gehalt abgezogen und vom Arbeitgeber an das Finanzamt als so genannte Lohnsteuer abgeführt.

Am Ende eines Kalenderjahres haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Lohnsteuerausgleich bei dem Finanzamt an Ihrem Wohnort zu stellen. Mit diesem können Sie unter Umständen einen Teil der gezahlten Steuern zurückerstattet bekommen. Die dafür benötigten Unterlagen erhalten Sie beim örtlichen Finanzamt oder im Rathaus. In vielen Fällen bewährt es sich, für die Erstellung einer Steuererklärung kostenpflichtig die Unterstützung eines Steuerberaters hinzuzuziehen.


Fragen und Antworten zu Steuern  





Weiterführende Informationen:

Doppelbesteuerungsabkommen
Texte der von der Bundesrepublik Deutschland abgeschlossenen Doppelbesteuerungsabkommen sowie weitere staatenbezogene Veröffentlichungen
Bundesministerium der Finanzen

Finanzämter, Steuerformulare etc.
Informationen über Finanzämter, Steuerformulare, Elektronische Steuererklärung, Steuerfreibeträge, Gesetze
Bundesfinanzverwaltung

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Letzte Aktualisierung: 24. Februar 2014