Krankenversicherung

Die Krankenversicherung ist Teil der Sozialversicherung. Sie ist geregelt im fünften Buch des Sozialgesetzbuches (SGB V). Nach § 1 SGB V hat sie "die Aufgabe, die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder ihren Gesundheitszustand zu bessern".

Eine Krankenversicherung ist in Deutschland verpflichtend für alle Arbeitnehmer, deren Jahresarbeitsentgelt unterhalb der Versicherungspflichtgrenze (2016: 56.250 EUR, 2015: 54.900 EUR ) liegt und darüber hinaus für viele weitere Personengruppen, die § 5 SGB V auflistet. Auch Forschende und begleitende Familienmitglieder unterliegen der Versicherungspflicht. Abgedeckt sein muss die medizinische Behandlung bei akuter Krankheit und bei Unfällen in Deutschland. In Bezug auf Vorerkrankungen sollte man sich bereits im Heimatland mit allen notwendigen Medikamenten eindecken, da Vorerkrankungen in Deutschland in der Regel nicht von einer privaten Krankenversicherung abgedeckt werden und der Patient die Kosten selbst tragen muss. Gesetzliche Krankenversicherungen müssen demgegenüber ihre Versicherten mit allen Vorerkrankungen übernehmen und auch für Vorerkrankungen ab dem ersten Tag die Kosten voll tragen. Es empfiehlt sich gleichwohl, schon vor der Einreise nach Deutschland mit der Krankenversicherung Kontakt aufzunehmen, so dass alle Fragen rechtzeitig geklärt werden können und vom ersten Tag an Versicherungsschutz besteht. Die zuständige Ausländerbehörde verlangt für die Aufenthaltsgenehmigung den Nachweis einer solchen Krankenversicherung.

Prüfen Sie zunächst, ob Ihre Versicherung im Heimatland auch anfallende Arzt- und Krankenhauskosten während Ihres Aufenthaltes in Deutschland deckt. Die Versicherungsgesellschaft muss dann schriftlich bestätigen, dass Versicherungsschutz auch in Deutschland besteht. Falls der Versicherungsschutz nicht ausreichend ist, müssen Sie eine zusätzliche Versicherung abschließen.

Eine Reisekrankenversicherung ist nicht geeignet. Sie deckt nur die spezifischen Gesundheitsrisiken während der Reise ab, stellt aber keinen ausreichenden Versicherungsschutz für Ihre Tätigkeit in Deutschland dar.

Dauert der Aufenthalt in Deutschland länger als 6 Wochen, so dass Sie dann regelmäßig einen Wohnsitz in Deutschland nehmen, ist folgendes zu beachten: Seit dem 01.01.2009 ist jede Person mit Wohnsitz in Deutschland verpflichtet, eine Krankenversicherung bei einem in Deutschland zugelassenen Versicherungsunternehmen abzuschließen, soweit sie nicht gesetzlich krankenversichert oder nach Beamtenrecht beihilfeberechtigt ist. In diesem Fall empfehlen wir den Abschluss einer deutschen Krankenversicherung. Die im Ausland bestehende Krankenversicherung kann für die Zeit des Deutschlandaufenthalts auf Anwartschaftstarif umgestellt werden.

Es gibt sowohl private als auch gesetzliche Krankenversicherungen in Deutschland. Bei den gesetzlichen Krankenversicherungen gibt es seit dem 01.01.2009 einen einheitlichen Beitragssatz für alle Versicherungen. Die Auswahl an gesetzlichen Krankenkassen und privaten Versicherungsgesellschaften ist recht groß. Um Ihnen einen besseren Überblick zu geben, haben wir unter "weiterführende Informationen" Listen von Krankenversicherungsunternehmen aufgeführt.

 

Aufenthalt mit Stipendium:

Ein Stipendium zur Finanzierung des Forschungsaufenthalts ermöglicht für Sie regelmäßig keinen Zugang zu der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland. Etwas anderes gilt dann, wenn Sie für die Dauer des Aufenthalts zugleich im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses bei einer Forschungseinrichtung oder Universität beschäftigt werden (hierzu entnehmen Sie bitte die relevanten Informationen aus dem Abschnitt "Aufenthalt mit Arbeitsvertrag"). Ausnahmeregelungen bestehen für Ausländer, welche die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedsstaates besitzen. Hierzu nutzen Sie bitte unsere weitergehenden Informationen unter dem Link "Sonderfall EU-Bürger".

In seltenen Ausnahmefällen kann für Sie die Möglichkeit einer freiwilligen Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung gemäß § 9 SGB V bestehen. Bitte informieren Sie sich in Zweifelsfällen zu dieser Möglichkeit vor dem Antritt Ihres Forschungsaufenthalts bei Ihrem jeweiligen Stipendiengeber oder unmittelbar bei den Trägern der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland.

In allen anderen Fällen empfehlen wir Ihnen den rechtzeitigen Abschluss einer privaten Krankenversicherung für die Aufenthaltsdauer in Deutschland. Ihr Stipendiengeber kann Ihnen entsprechende Empfehlungen geben.

 

Aufenthalt mit Arbeitsvertrag:

Wenn Sie im Rahmen eines inländischen, also deutschen Arbeitsvertrages angestellt sind, unterliegen Sie als Beschäftigter grundsätzlich der deutschen Krankenversicherungspflicht.

Ausnahmsweise können jedoch aufgrund eines mit Deutschland abgeschlossenen Sozialversicherungsabkommens die Krankenversicherungsbestimmungen Ihres Heimatstaates weitergelten. Dies bestätigt Ihnen dann die heimische Krankenversicherung oder Sozialversicherungsbehörde auf einem Vordruck, der die Nummer 1 oder 101 trägt. Aufgrund des Vordrucks mit der Nummer 1 oder 101 unterliegen Sie weiter der heimischen Krankenversicherung und sind von der deutschen Krankenversicherungspflicht befreit, wenn sich das mit Ihrem Heimatstaat bestehende Sozialversicherungsabkommen auch auf die Krankenversicherung erstreckt.

Besitzen Sie keinen Vordruck mit der Nummer 1 oder 101, sind Sie als Beschäftigter in Deutschland krankenversicherungspflichtig. Dann hängt es vom Einkommen ab, ob Sie sich privat oder gesetzlich krankenversichern können.

Bis zu einem Bruttojahreseinkommen von 56.250 EUR ( 2015: 54.900 EUR) muss man sich in einer gesetzlichen Krankenkasse versichern. Der allgemeine Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung beträgt 14,6 % des Bruttojahreseinkommens. Dabei übernehmen sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer einen jeweiligen Anteil von 7,3 %.

Seit 1. Januar 2015 können gesetzliche Krankenkassen zusätzlich zum einheitlichen Beitragssatz von 14,6 % einen Zusatzbeitrag von ihren Mitgliedern erheben. Mitversicherte Kinder oder Partner (Familienversicherte) zahlen keinen Zusatzbeitrag. 

Über die Höhe des Zusatzbeitrags entscheiden die einzelnen Krankenkassen. Erhebt eine Kasse einen solchen Zusatzbeitrag erstmalig oder erhöht ihn, gilt ein Sonderkündigungsrecht für die Versicherten.

Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung sind weitgehend festgelegt. Unterschiede gibt es beim Kundenservice, Zusatzleistungen und Wahltarifen. Die Wahl der gesetzlichen Krankenversicherung ist frei. Es lohnt sich daher weiterhin, die Krankenkassenleistungen miteinander zu vergleichen.

 

Bei einem Bruttojahreseinkommen von mehr als 56.250 EUR hat man in Deutschland die freie Wahl zwischen einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung.

Die gewählte Krankenkasse teilt man seinem Arbeitgeber mit. Es ist Aufgabe des Arbeitgebers, seine neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Krankenkasse anzumelden. Die Krankenkasse leitet die Meldung an die anderen Sozialversicherungsträger weiter. Die Beiträge für die Krankenversicherung werden unmittelbar vom Bruttogehalt des Arbeitnehmers abgezogen.

 

Sonderfall EU-Bürger

Fragen und Antworten zu Krankenversicherung

 

Weiterführende Informationen:

Gesetzliche Krankenkassen
Liste aller gesetzlichen Krankenkassen
GKV Spitzenverband

Private Krankenversicherungen
Liste privater Krankenversicherungsunternehmen
Verband der privaten Krankenversicherung e.V.

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)
Kranken-, Unfall- und Privathaftpflichtversicherung für ausländische Stipendiaten befreundeter Organisationen sowie deren Familienangehörige
DAAD-Gruppenversicherung

Germany Health Insurance System
Überblick zu Krankenversicherung in Deutschland und Tipps für Studierende und Forschende
Germany Health Insurance System